Vor zwei Jahren war die Sache übersichtlich: Wer wissen wollte, was KI in der Softwareentwicklung kann, las ein paar Artikel über Codeassistenten und probierte Copilot aus. Heute ist die Lage eine andere. Werkzeuge, die im Frühjahr noch als Spielerei galten, schreiben im Herbst produktiven Code. Ansätze, die gestern empfohlen wurden, sind heute überholt. Und während die einen noch diskutieren, ob KI-generierter Code überhaupt in die Produktion darf, lassen die anderen längst ganze Anwendungen damit bauen.
Das Tempo ist das eigentliche Problem. Nicht, weil die Technik zu schnell wäre, sondern weil unser übliches Lernen zu langsam ist.
Erfahrungswissen entsteht überall. Und bleibt überall stecken
Der klassische Weg, wie sich Wissen über neue Technologien verbreitet, sieht ungefähr so aus: Einige Unternehmen experimentieren, nach ein bis zwei Jahren erscheinen die ersten belastbaren Erfahrungsberichte, dann folgen Konferenzvorträge, Schulungen, Standardwerke. Dieser Weg funktioniert bei Technologien, die sich in Jahren entwickeln. Bei KI entwickeln sich die Grundlagen in Monaten. Wer auf das Standardwerk wartet, liest am Ende die Geschichte einer Technologie, die es so nicht mehr gibt.
Gleichzeitig entsteht gerade überall genau das Wissen, das alle suchen: In fast jedem Unternehmen experimentiert jemand mit KI in der Entwicklung, in der Spezifikation, im Testen, in den Fachabteilungen. Es gibt Erfolge, es gibt Sackgassen, es gibt teuer bezahlte Lektionen. Aber dieses Wissen bleibt fast immer dort, wo es entstanden ist. Was nach außen dringt, sind polierte Erfolgsgeschichten, die Momente, in denen alles funktioniert hat. Die interessanteren Momente sind meist die anderen.
Was wir selbst gelernt haben, und was uns überrascht hat
Wir haben in den vergangenen Monaten unsere eigene Softwareentwicklung grundlegend umgestellt und KI systematisch in unsere Abläufe integriert, nicht als Werkzeug für einzelne Entwickler, sondern entlang des gesamten Weges von der Anforderung bis zum Betrieb. Einiges davon hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Anderes hat länger gedauert und mehr Umdenken erfordert, als wir angenommen hatten.
Und die Veränderung blieb nicht bei den Werkzeugen stehen: Sie hat unser gesamtes Vorgehen verschoben. Aufgaben, für die wir früher auf Nearshoring-Kapazitäten zurückgegriffen haben, erledigen wir heute in deutlich geringerem Umfang extern. Nicht, weil wir es uns vorgenommen hätten, sondern weil sich der Bedarf durch KI-gestützte Entwicklung schlicht verändert hat. Das ist eine Erfahrung, die uns nachdenklich gemacht hat: Wenn KI produktiv eingebettet ist, verschieben sich nicht nur Arbeitsschritte, sondern ganze Strukturen: wer was macht, was eingekauft wird und wo Wertschöpfung stattfindet. Wir vermuten, dass viele Unternehmen diese Verschiebung noch vor sich haben, und halten sie für einen der Punkte, über die zu wenig offen gesprochen wird.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Die technischen Fragen waren selten die schwierigsten. Schwieriger waren die Fragen dahinter. Wer prüft, was die KI erzeugt, und wie gründlich? Welche Aufgaben gibt man ab, welche behält man bewusst? Was passiert mit Rollen, wenn Fachabteilungen plötzlich eigene Anwendungen erstellen können? Und wie hält man Qualität und Kontrolle, ohne die neue Geschwindigkeit gleich wieder auszubremsen?
Auf viele dieser Fragen haben wir inzwischen Antworten, die für uns funktionieren. Aber wir wissen auch: Es sind unsere Antworten, entstanden in unserem Kontext. Ob sie in einem Versicherungsunternehmen, bei einem IT-Dienstleister mit hunderten Beratern oder in einer Behörde genauso tragen, können wir nicht allein beantworten. Das kann niemand allein.
Warum das Gespräch gerade jetzt mehr wert ist als jede Schulung
Genau deshalb glauben wir, dass in Zeiten schneller Veränderung ein Format an Wert gewinnt, das älter ist als jede Technologie: das offene Gespräch unter Leuten, die an ähnlichen Problemen arbeiten. Nicht die Produktvorführung, nicht der Vortrag mit den perfekten Folien, sondern der ehrliche Austausch darüber, was funktioniert, was nicht, und woran es wirklich hängt.
Die Fehler der anderen sind günstiger als die eigenen. Und die Lösungen der anderen sind oft näher an der eigenen Situation, als man denkt, gerade wenn IT-Verantwortliche und Fachbereiche gemeinsam am Tisch sitzen, denn die spannendsten Veränderungen passieren derzeit genau an dieser Schnittstelle.
Reden wir darüber, am 27. August in Hannover
Aus diesem Gedanken ist eine Veranstaltung entstanden: „Wenn nicht nur die IT Software baut: KI verändert, wer Lösungen entwickelt”, ein Praxis-Erfahrungsaustausch am Donnerstag, 27. August 2026, bei uns in Hannover. Drei kurze Impulse aus echten Projekten bilden den Einstieg, danach gehört der Abend der Diskussion. Wir berichten von unserer eigenen Umstellung, einschließlich der Frage, wie sich dadurch unser Bedarf an externen Kapazitäten verändert hat. Carsten Hilber zeigt, wie KI bei Anforderungen und Testfällen hilft, und Arvin Arora teilt Erfahrungen aus vollständig KI-getriebener Entwicklung.
Die Runde ist bewusst klein gehalten, rund 30 Teilnehmende, damit echte Gespräche möglich sind. Die Teilnahme ist kostenlos.
Mehr zur Veranstaltung und Anmeldung
Wir freuen uns auf Ihre Erfahrungen, auch auf die, die (noch) keine Erfolgsgeschichten sind.
Nächster Schritt
Sprechen wir über Ihren Anwendungsfall
Vom Business Case zur Lösung: Wir zeigen Ihnen, was in Ihren Prozessen konkret möglich ist.
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