Die Abkehr Von Der Eigenentwicklung

Die Abkehr von der Eigenentwicklung

Bei fast allen unseren Kunden haben wir Eigenentwicklungen abgelöst. Die Historien dieser Tools und die damit verbundenen Schmerzen waren immer die gleichen.

In kleinen Beratungsunternehmen kennt jeder jeden und es gibt keine Notwendigkeit für eine zentrale Sicht auf Skills, Verfügbarkeiten oder Projekte. Wenn das Unternehmen wächst, entsteht dieser Bedarf.

Die Mitarbeiter beginnen Excel-Tabellen zu erstellen, um Skills zu erfassen und Verfügbarkeiten zu planen. Die Excel-Tabellen werden im Laufe der Zeit erweitert und ergänzt, eventuell werden einige Makros hinzugefügt. Möglicherweise wird eine kleine Web-Anwendung von Praktikanten oder Beratern, die grade ohne Projekt sind, geschrieben. Dies geschieht in der Regel ohne eine formelle Investitionsentscheidung. Meist gibt es kein festes Entwicklungsteam. In IT-Beratungsunternehmen werden Eigenentwicklungen auch gerne als Trainingsprojekte für Auszubildende oder neue Mitarbeiter genutzt.

Der Praktikant verlässt das Unternehmen, der Berater wird auf einem Kundenprojekt eingesetzt. Der nächste Auszubildende oder Berater übernimmt die Eigenentwicklung. Das über die Zeit gewachsene Tool wird immer schwerer zu pflegen.

Ab einer gewissen Unternehmensgröße kommt der Punkt, an dem man sich für die Neuimplementierung auf einer soliden Technologiebasis im Rahmen eines internen Projekts entscheidet. Die Probleme solcher offiziellen Eigenentwicklungen bleiben aber die gleichen wie bei organisch gewachsenen Tools. Kein Berater will dauerhaft in einem internen Projekt arbeiten. Bei mehreren unserer Kunden hatte der letzte Entwickler, der sich mit der Software auskannte, das Unternehmen verlassen. Als Consulting-Unternehmen muss man sich fragen, welche Mitarbeiter man dauerhaft für die Wartung eines internen Tools abstellen kann und will.

Das Ergebnis sind fragmentierte Werkzeuge, die zu ineffizienten Prozessen führen. Die Akzeptanz bei den Anwendern sinkt. Die Datenqualität nimmt ab.

CVs, Skills und Verfügbarkeiten werden wieder parallel in Excel und Word gepflegt. Die zentrale Datenbasis erodiert. Planung, Suchen und Auswertungen werden mühsam und zeitaufwändig.

Trotz der genannten und bekannten Probleme haben viele Consulting-Unternehmen lange Zeit beharrlich an der Do-it-yourself-Philosophie (auch bekannt als Not-invented-here-Syndrom) festgehalten. Das hat sich in den letzten Jahren komplett geändert. Grund hierfür sind zwei wesentliche Faktoren: die anhaltend hohe Auslastung und die Verlagerung der IT in die Cloud.

Niemand lässt Mitarbeiter an internen Tools arbeiten, wenn er sie für gute Tagessätze in Kundenprojekten einsetzen kann. Da es zunehmend schwierig wird, den hohen Bedarf an IT-Fachkräften über Neueinstellungen zu decken, wächst der Druck, die vorhandenen Ressourcen möglichst effizient zu nutzen.

Parallel hat der Trend in die Cloud zu einem Paradigmenwechsel geführt. Unternehmen wollen Software heute als Service beziehen. Während wir noch vor wenigen Jahren oft nach On-Premises-Installationen gefragt wurden, erwarten Kunden heute eine SaaS-Lösung. Die mit den Cloud-Architekturen einhergehende Standardisierung von Schnittstellen reduziert zudem die Integrationskosten und Einführungsdauer. Der Business Case SaaS-Lösung versus Eigenentwicklung ist heute ein „No-Brainer“.

Als wir vor 10 Jahren mit unserer SaaS-Lösung decídalo auf den Markt kamen, war Cloud für deutsche Unternehmen weitgehend ein Tabu. Wir haben decídalo daher in den Rechenzentren diverser Konzerne installiert – quasi als private Cloud. Inzwischen fragt niemand mehr, ob es die Lösung auch on-premises gibt. Nur der Speicherort der Daten interessiert noch – zumindest unsere Kunden innerhalb der EU.